Du überlegst dir, ein Doktorat in Psychologie zu machen? Vielleicht interessierst du dich für Forschung, möchtest später an einer Universität arbeiten oder fragst dich, ob ein PhD in Psychologie deine Karrierechancen verbessert. Gleichzeitig tauchen viele Fragen auf:
Lohnt sich eine Promotion in Psychologie überhaupt? Wie läuft ein Doktorat in der Schweiz ab? Und welche beruflichen Möglichkeiten eröffnen sich danach wirklich?
Kurzum: Ein Doktorat kann dir vielfältige Karrierewege in Wissenschaft und Wirtschaft eröffnen. Doch der Weg zum Doktortitel erfordert Selbstorganisation und Durchhaltevermögen. Während der mehrjährigen Promotion arbeitest du an einer eigenen Forschungsfrage, verfasst deine Dissertation und bist oft gleichzeitig an einer Universität angestellt. Ob sich der Aufwand für eine Psychologie-Promotion für dich wirklich lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab.
In diesem Artikel erfährst du:
- wie ein Doktorat in Psychologie in der Schweiz abläuft,
- welche Voraussetzungen du für eine Promotion mitbringen solltest,
- Wo du Promotionsstellen finden kannst
- wie hoch das Gehalt von Doktorand:innen in der Schweiz ist,
- welche Aufgaben dich während des PhD-Alltags erwarten,
- welche Karrierechancen sich nach der Promotion in Wissenschaft und Wirtschaft eröffnen,
- für wen sich ein Doktorat wirklich lohnt
- und wann andere Wege sinnvoller sein können.
Doktorat in Psychologie: Was bedeutet das genau?
Ein Doktorat bzw. ein PhD (Philosophiae Doctor) in Psychologie ist die höchste akademische Qualifikation, die du erreichen kannst. Der Prozess nennt sich Promotion und während dieser arbeitest du mehrere Jahre an einer eigenen wissenschaftlichen Forschungsarbeit, deiner Dissertation und bist oft gleichzeitig an einem psychologischen Institut angestellt.
In der Schweiz dauert ein Doktorat in Psychologie häufig zwischen drei und fünf Jahren. Die Dauer hängt aber von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.
Viele Doktorierende arbeiten parallel als:
- Wissenschaftliche Mitarbeitende
- Research Associate
- Doktorand:in Psychologie
- PhD Candidate
Der tatsächliche Arbeitsalltag kann sich je nach Hochschule und Forschungsbereich sehr unterscheiden.
Doktorat in Psychologie: So läuft die Promotion in der Schweiz ab
Viele stellen sich ein Doktorat als ein weiteres Studium vor, in dem weiterhin Vorlesungen besucht und Prüfungen abgelegt werden. Tatsächlich ist es eine Mischung aus Forschung an deinem eigenen Thema, der wissenschaftlichen Arbeitstätigkeit und Mitarbeit in der Lehre von Bachelor- und Masterstudierenden der Psychologie.
Typische Aufgaben während eines Doktorats können sein:
- Planung und Durchführung von Studien
- Datenerhebung und statistische Analysen
- Wissenschaftliches Schreiben und Publizieren
- Präsentationen an Konferenzen
- Mitarbeit in der Lehre oder Betreuung von Studierenden
Wenn du vor einer Promotion Forschungsluft schnuppern möchtest, ist es sehr hilfreich vorher ein Forschungspraktikum zu absolvieren. Offene Praktikumsstellen in der Forschung findest du regelmässig auf PsychJOB - Praktika Forschung und Lehre. So hast du die Möglichkeit erste Erfahrungen zu sammeln und für dich herauszufinden, ob dir diese Arbeitsatmosphäre gefällt.
PhD in Psychologie: Für wen lohnt sich die Promotion und für wen nicht?
Ein Doktorat in Angriff zu nehmen, ist eine wichtige Lebensentscheidung, die gut überlegt sein will. Dabei spielen Aspekte wie Motivation, langfristige Karriereziele und Interessenbereiche eine Rolle.
Für wen ein Doktorat in Psychologie das Richtige ist
Egal welcher Bereich der Psychologie dich am meisten interessiert, das wissenschaftliche Arbeiten und Forschen wird immer im Vordergrund stehen. Wenn dir genau das Freude bereitet, bist du die richtige Kandidatin oder der richtige Kandidat für ein Doktorat. Zusammengefasst, passt die Promotion für dich, wenn du:
- gerne wissenschaftlich arbeitest,
- Forschung spannend findest,
- Freude an Statistik und Datenanalyse hast,
- an einer Hochschule oder Universität arbeiten möchtest,
- dich langfristig auf ein bestimmtes Thema spezialisieren möchtest,
- oder dir vorstellen kannst, wissenschaftlich zu publizieren.
Besonders sinnvoll ist eine Promotion, wenn dich Bereiche wie Neuropsychologie, Kognitionspsychologie, Gesundheitspsychologie und Data Science interessieren. Zudem gefällt dir bestenfalls das Umfeld der Hochschullehre und du kannst dir eine akademische Karriere für deine Zukunft gut vorstellen.
Auf PsychJOB findest du viele spannende und aktuelle Stelleninserate für Doktoranden-Stellen in unterschiedlichen psychologischen Bereichen und an unterschiedlichen Hochschulen.
Für wen ein Doktorat in Psychologie nicht geeignet ist
Viele Master-Absolventinnen und -Absolventen starten ohne tiefgehende Auseinandersetzung ein Doktorat, da es die natürliche Folge nach dem Master scheint. Manche tun es auch, weil sie nicht wissen, was sie nach dem Studium wollen und wie sie sich auf dem Arbeitsmarkt orientieren und positionieren sollen. Einige hoffen, dadurch automatisch bessere Jobchancen zu haben. Eine Promotion ist also oft wenig sinnvoll, wenn du:
- möglichst schnell praktisch arbeiten möchtest,
- wenig Freude an Statistik oder Forschung hast,
- hauptsächlich therapeutisch arbeiten willst,
- wegen des Titels promovieren möchtest,
- oder klare finanzielle Vorteile erwartest, wie z.B. ein höheres Gehalt.
Vergiss nicht, in vielen psychologischen Berufsfeldern ausserhalb der Wissenschaft zählt praktische Erfahrung mehr als ein Doktortitel, besonders in Bereichen wie HR, UX Research, Coaching, Recruiting, Marketing und Unternehmensberatung. Hier ist ein Doktortitel häufig kein Muss. Oft wird auch kein Masterabschluss in Psychologie verlangt.
Gehälter für Doktorand:innen in Psychologie in der Schweiz
Die Gehälter für Doktorand:innen in Psychologie in der Schweiz variieren je nach Universität, Finanzierung, Fachbereich und Anstellungsgrad relativ stark. Im internationalen Vergleich sind die Löhne in der Schweiz allerdings eher hoch.
Typischerweise verdienen Doktorandinnen und Doktoranden, die an einer Universität angestellt sind, etwa CHF 45’000–70’000 brutto pro Jahr. Anders ist es bei denen, die während der Promotion schon als wissenschaftliche Assistierende oder wissenschaftliche Mitarbeitende angestellt sind. Diese Gehälter bewegen sich zwischen CHF 80'000 - 100'000 brutto pro Jahr.
Spätestens nach der Promotion arbeitet die Mehrheit als wissenschaftliche Mitarbeitende, Postdoc oder Senior Researcher. Ab diesem Zeitpunkt bewegen sich die Gehälter bei etwa CHF 90'000 aufwärts.
Was viele vor ihrer Promotion unterschätzen
Der Prozess der Promotion ist eine Lebensphase, in der du dich intensiv mit deinem Wunschthema auseinandersetzen darfst. Das ist in dieser Hinsicht eine einzigartige Erfahrung, die geprägt ist von persönlichem Wachstum, Erfolgen und neuen Türen, die sich dir eröffnen.
Nichtsdestotrotz werden einige Aspekte des PhDs oft unterschätzt.
- Forschung bedeutet viel Unsicherheit: Studien funktionieren nicht immer wie geplant. Daten fehlen, Hypothesen bestätigen sich nicht oder Paper werden abgelehnt.
- Statistik und qualitative Forschung wird ein grosser Teil deines Alltags: Viele Doktorierende verbringen deutlich mehr Zeit mit Datenanalyse und wissenschaftlichem Schreiben als mit andere typisch psychologischen Tätigkeiten.
- Ein Doktorat kann emotional belastend sein: Zeitdruck, hohe Ansprüche und Unsicherheit gehören für viele zur Promotion dazu. Ein unterstützendes Umfeld und die Entwicklung von persönlichen Skills, wie Achtsamkeit und Abschalten, können dem entgegenwirken.
- Der Karriereweg danach ist nicht immer klar: Nicht alle bleiben nach der Promotion in der Wissenschaft. Viele wechseln nach dem PhD in privatwirtschaftliche Unternehmen. Ein Grund dafür ist, dass die akademische Laufbahn häufig mit Unsicherheit verbunden ist: Befristete Stellen, hoher Konkurrenzdruck und die Abhängigkeit von Forschungsprojekten gehören zum Alltag.
- Deine Betreuung während der Promotion spielt eine zentrale Rolle: Sie bietet dir fachliche Orientierung, konstruktives Feedback und Motivation. Eine gute Betreuung unterstützt Promovierende dabei, Herausforderungen zu bewältigen und ihre Forschung erfolgreich abzuschliessen.
PhD in Psychologie: Diese Karrierechancen hast du danach
Ein Doktorat kann dir spannende Türen öffnen – besonders in spezialisierten oder wissenschaftsnahen Bereichen.
Forschung und Wissenschaft
Wenn du im Hochschulkontext bleiben möchtest und somit eine akademische Laufbahn anstrebst, bieten Universitäten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen viele Berufsmöglichkeiten. Ob du lieber in der Lehre tätig bist oder deinen Schwerpunkt auf Forschung legen möchtest, kannst du während der Stellensuche steuern. Für diese typischen Stellen gelten meist folgende Voraussetzungen.
- Postdoc Positionen: Abgeschlossene Promotion (vertiefende wissenschaftliche Forschungsarbeit)
- Wissenschaftliche Mitarbeitende oder Research Scientist: Je nach Inserat MSc oder PhD (wissenschaftliche Forschungs- und/oder Lehrtätigkeit)
- Dozent:in oder Lecturer: meist PhD, selten reicht auch ein Master (vorwiegend Lehrtätigkeit)
- Senior Researcher
- Professor:in: Promotion und je nach Bereich Habilitation, langjährige Berufserfahrung in der Forschung, publizierte Artikel (Kombination aus Lehre, Forschung und akademische Organisation)
Aktuelle Stellen in Forschung und Lehre im Psychologiebereich werden auf PsychJOB ausgeschrieben. Mit einem Klick findest du freie Stellen in der Schweiz von Doktoranden bis Postdoc-Stellen. Schau dir die verschiedenen Angebote der Hochschulen an und entdecke neue Berufsmöglichkeiten für dich nach dem Masterstudium in Psychologie.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass du so ähnliche Stellenbeschreibungen auch ausserhalb des Hochschulkontextes finden wirst, beispielweise in der klinischen Forschung oder der Gesundheitsforschung.
Wirtschaft und Unternehmen
In der Wirtschaft und in Unternehmen spielen daten- und forschungsbasierte Rollen eine immer wichtigere Rolle. Sie verbinden wissenschaftliche Methoden mit praktischen Entscheidungen im Unternehmensalltag. Dabei unterstützen sie Organisationen unter anderem dabei, Nutzerverhalten besser zu verstehen, Prozesse zu optimieren und strategische Entscheidungen fundiert zu treffen. Dort finden Personen mit Doktortitel beispielsweise Einsatz als:
- Behavioral Insights Specialist
- UX Research Lead
- Data Analyst / Data Scientist
- People Analytics Specialist
- Research Consultant
Gerade Unternehmen im Bereich Datenanalyse, User Research oder Behavioral Science schätzen häufig die analytischen Fähigkeiten promovierter Psycholog:innen. Du willst mehr darüber erfahren, welche Berufsmöglichkeiten es im Psychologie-Bereich gibt? Hier findest du alles über Berufsmöglichkeiten für Psycholog:innen.
Vor- und Nachteile einer akademischen Laufbahn
Eine akademische Karriere in der Psychologie kann unglaublich spannend und erfüllend sein. Du darfst dich über Jahre hinweg mit Themen beschäftigen, die dich wirklich interessieren. Viele schätzen besonders den Austausch mit interessierten Studierenden sowie die internationale Zusammenarbeit mit anderen Forschenden. Konferenzen, Forschungsaufenthalte und internationale Projekte machen die akademische Laufbahn für viele attraktiv.
Gleichzeitig bringt die Wissenschaft auch Herausforderungen mit sich. Die akademische Laufbahn ist oft von Unsicherheit geprägt. Arbeitsverträge sind häufig befristet, es besteht hoher Konkurrenzdruck und die Abhängigkeit von neuen Forschungsprojekten oder finanziellen Drittmitteln gehören zum Alltag. Auch die Vereinbarkeit mit privaten Lebensplänen oder Familie ist nicht immer einfach.
Wer langfristig in der Wissenschaft bleiben will, muss oft flexibel bleiben und bereit sein den Standort wechseln, beispielsweise für Postdoc-Stellen im Ausland, Forschungsprojekte oder eine spätere Professur. Gleichzeitig gibt es nur wenige unbefristete Stellen, weshalb der Karriereweg in der Wissenschaft oft schwer planbar bleibt.
Deshalb ist es wichtig, dass du dir früh zu überlegst: Begeistert mich Forschung wirklich langfristig, oder reizt mich vor allem der Titel „Dr.“?
Alternativer Weg: externes Doktorat in der Psychologie
In der Schweiz ist ein Doktorat in Psychologie auch extern möglich. Das bedeutet, dass die Dissertation neben einer Tätigkeit in einem Unternehmen ausserhalb der Universität geschrieben wird. Besonders für Berufstätige bietet dieses Modell mehr Flexibilität.
Allerdings solltest du den Aufwand nicht unterschätzen. Ein externes Doktorat verlangt sehr viel Selbstorganisation, Eigenmotivation und Zeitmanagement. Da man weniger in den universitären Alltag eingebunden ist, fehlt oft auch der regelmässige Austausch mit Forschungsteams oder anderen Doktorierenden.
Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle psychologischen Institute externe Promotionen anbieten. Entscheidend ist meist, ob eine Professorin oder ein Professor die Betreuung übernimmt. Forschungsdaten, Infrastruktur oder Finanzierung müssen externe Doktorierende teilweise selbst organisieren.
Fazit: Lohnt sich ein Doktorat in Psychologie?
Ob sich ein Doktorat in Psychologie lohnt, hängt stark von deinen Interessen und Karrierezielen ab.
Wenn du Forschung liebst, wissenschaftlich arbeiten möchtest und Freude an analytischem Denken hast, kann ein PhD in Psychologie unglaublich spannend und erfüllend sein.
Wenn du dagegen möglichst schnell praktisch arbeiten oder direkt in Unternehmen einsteigen möchtest, gibt es oft effizientere Wege als mehrere Jahre Promotion.
Das Wichtigste ist deshalb nicht der Titel selbst – sondern dass du verstehst, welche Art von Arbeit wirklich zu dir passt.