Psychotherapeutin im Gespräch mit Patientin

Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden in der Schweiz? Das musst du wissen

Written by Hogrefe AG on 4/29/26

Du spielst mit dem Gedanken, Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden und fragst dich, welche Ausbildung in der Schweiz notwendig ist und ob dieser Weg der richtige Karriereweg für dich ist? Dann bist du hier richtig. In diesem Beitrag erfährst du:

  • den Unterschied zwischen Psycholog:in, Psychotherapeut:in und Psychiater:in
  • welche Voraussetzungen du für die Psychotherapie-Ausbildung erfüllen musst
  • wie lange die Weiterbildung dauert
  • mit welchen Kosten du rechnen solltest
  • welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt
  • wie die Anerkennung ausländischer Abschlüsse funktioniert
  • welche Alternativen es im psychologischen Berufsfeld gibt

Psycholog:in, Psychotherapeut:in oder Psychiater:in – die Unterschiede

Begriffe wie Psychotherapeut:in, Psycholog:in und Psychiater:in werden im Alltag oft verwechselt. In der Schweiz sind diese Berufsbezeichnungen jedoch durch das Schweizerische Psychologieberufegesetz (PsyG) klar geregelt. Deshalb klären wir die wichtigsten Unterschiede:

  • Psychologin oder Psychologe: du verfügst du über einen Master-, Lizenziats- oder FH-Abschluss in Psychologie. Erst mit diesem Abschluss darfst du die geschützte Berufsbezeichnung offiziell tragen. Mit dem Psychologiestudium allein darfst du jedoch noch keine Psychotherapie anbieten.
  • Psychotherapeutin oder Psychotherapeut: du bist Psychologin oder Psychologe mit einer zusätzlich absolvierten, akkreditierten Weiterbildung in Psychotherapie. Du darfst Psychotherapie anbieten, aber keine Medikamente verschreiben. Dieses Qualitätslabel gilt auch für die Bereiche Neuropsychologie, klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie und Kinder- und Jugendpsychologie.
  • Psychiaterin oder Psychiater: du hast Medizin studiert, bist Ärztin oder Arzt und hast eine entsprechende Facharztausbildung hinter dir. Du hast einen anderen Behandlungsschwerpunkt als die Psychotherapie und darfst Medikamente verschreiben.

Wenn du einen Bachelor in Psychologie hast, darfst du dich noch nicht Psychologin oder Psychologe nennen. Diese Unterscheidung ist wichtig, da die genannten Berufsbezeichnungen gesetzlich geschützt sind.

«Coaching» oder «Beratung» sind hingegen keine geschützten Begriffe und unterliegen keinen gesetzlich geregelten Ausbildungsanforderungen. Wenn du dich trotzdem für eine Weiterbildung interessierst, findest du in unserer Übersicht für Weiterbildungen der Psychologie spannende Angebote für Coaching und Beratung.

Du willst noch tiefer in das Thema einsteigen? Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Berufsfeldern kannst du dir in Sina Hegers Podcastfolge anhören.

Psychotherapeut oder Psychotherapeutin werden

Passt der Beruf Psychotherapeut oder Psychotherapeutin zu mir?

Als Psychotherapeutin oder -therapeut befasst du dich meist mit individuellen psychischen Problemen von Menschen in allen Lebensbereichen. Dazu gehören unter anderem

  • Depressionen,
  • Suchterkrankungen,
  • Zwangs-, Persönlichkeits-, Angst- und Verhaltensstörungen
  • sowie psychotische Störungen.

Dieses Berufsfeld verlangt viel Einfühlungsvermögen, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Vertrauenswürdigkeit, psychische Belastbarkeit und Reflexionsvermögen. Es ist auch zentral, dass du eine angemessene professionelle Distanz wahren kannst. In Folge 35 des Podcasts von Sina Heger teilt eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen mit der Weiterbildung Psychotherapie (ökologisch-systemischer Ansatz). Höre rein, um einen authentischen Einblick zu erhalten.

Voraussetzungen für die Zulassung 

Der Zugang zur Psychotherapie-Weiterbildung ist in der Schweiz durch das Psychologieberufegesetz (PsyG) geregelt. Du brauchst:

  • einen Bachelor- und Masterabschluss in Psychologie
  • ausreichende Anzahl ECTS in klinischer Psychologie und Psychopathologie (genaue Anzahl ECTS wird von den jeweiligen Weiterbildungsinstituten festgelegt)

Da die Weiterbildung i.d.R. berufsbegleitend absolviert wird, verlangen viele Ausbildungsinstitute, dass spätestens in den ersten Monaten der Weiterbildung eine psychotherapeutische Berufstätigkeit nachgewiesen werden kann.

Kurzum:  Wie wird man Psychotherapeut:in in der Schweiz?

Um Psychotherapeut:in in der Schweiz zu werden, benötigt man in der Regel ein abgeschlossenes Psychologiestudium (Master) sowie eine anschliessende anerkannte psychotherapeutische Weiterbildung, die mehrere Jahre dauert und praktische klinische Erfahrung umfasst.

Weiterbildungsangebote, Dauer und Kosten

Wie lange dauert eine Psychotherapie-Ausbildung? Und was kostet diese?

Es gibt verschiedene Institute und Hochschulen, die Weiterbildungen in Psychotherapie anbieten. Die berufsbegleitende Weiterbildung dauert etwa 4-6 Jahre und die Kosten liegen meist zwischen CHF 25'000 und CHF 45'000. Je nach Anbieter sind die Anforderungen an frühere Studienleistungen und berufliche Tätigkeit minimal unterschiedlich. Informiere dich vorher genau über die Optionen, die für dich in Frage kommen.

Typischer Ablauf:

  • 2–3 Jahre praktische Tätigkeit in Kliniken
  • parallel oder danach Weiterbildung in Psychotherapie
  • Abschluss mit eidgenössischer Anerkennung

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat eine Übersicht der akkreditierten Weiterbildungsangebote der Psychotherapie bereitgestellt. Du kannst dich hier durch das Dropdown-Menü arbeiten und erfährst alles, was du wissen musst. Alternativ haben wir hier eine Übersicht über allgemeine Weiterbildungen der Psychotherapie an Schweizer Universitäten und Hochschulen angefertigt, welche auch kürzere Angebote enthält.

Finanzierungsmöglichkeiten

Wie kann ich eine Psychotherapie-Ausbildung finanzieren?

Die hohen Weiterbildungskosten für Psychotherapie stellen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Da es sich in der Schweiz um eine berufsbegleitende Weiterbildung handelt, ist die naheliegendste Finanzierungsoption eine berufliche Tätigkeit als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut in Ausbildung. Auf PsychJOB versorgen wir dich regelmässig mit passenden und spannenden Stellenausschreibungen. Weitere Möglichkeiten sind:

  • Beteiligung durch Arbeitgebende: Manche Arbeitgeber beteiligen sich an den Weiterbildungskosten. Kläre dies frühzeitig mit deinem aktuellen oder zukünftigen Arbeitgeber
  • Kantonale Stipendien oder Bildungsdarlehen: Je nach Wohnkanton gelten unterschiedliche Regelungen. Informiere dich bei der zuständigen Amtsstelle über mögliche Unterstützungen. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren EDK hat eine Zusammenstellung der kantonalen Stipendienstellen zur Verfügung gestellt.
  • Private Stiftungen und Fonds: Auch private Stiftungen fördern Aus- und Weiterbildungen im Gesundheits- und Sozialbereich. In der Schweiz existieren rund 13'000 Stiftungen. Plattformen wie Stipendium.ch helfen dir dabei, passende Fördermöglichkeiten zu finden.

Anerkennung von Abschlüssen

Masterabschluss in der Schweiz - Weiterbildung und Berufstätigkeit im Ausland

Kann ich mit einem Schweizer Masterabschluss in Psychologie im Ausland arbeiten und eine Weiterbildung absolvieren?

Dank des Freizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der Europäischen Union ist die Anerkennung von Diplomen grundsätzlich erleichtert. Trotzdem regelt jeder Aufnahmestaat die Anforderungen individuell.

In Deutschland unterscheiden sich die Vorgaben teilweise je nach Bundesland. Für den Bereich Psychologie kannst du dich auf der Webseite des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen bdp informieren. Sie haben die wichtigsten Fragen und Antworten in einem FAQ zusammengetragen.

Für Österreich kannst du dich an den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie ÖBVP oder den Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen BÖP wenden.

Wenn du in einem anderen Land arbeiten oder eine Weiterbildung absolvieren möchtest, empfehlen wir dir, direkt die zuständigen Behörden oder Berufsverbände zu kontaktieren.

Masterabschluss im Ausland - Weiterbildung und Berufstätigkeit der Schweiz

Kann ich mit einem ausländischen Masterabschluss in Psychologie in der Schweiz arbeiten und eine Weiterbildung absolvieren?

Wenn du deinen Master in Psychologie im Ausland absolviert hast, musst du diesen zunächst in der Schweiz anerkennen lassen. Erst danach darfst du hier die geschützte Berufsbezeichnung «Psychologin» oder «Psychologe» offiziell verwenden. Das gilt ebenfalls für die Zulassung zur Weiterbildung in Psychotherapie.

Für die Anerkennung ausländischer Hochschulabschlüsse ist in der Schweiz die Psychologieberufekommission (PsyKo) zuständig. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat alle notwendigen Informationen rund um die Anerkennung zusammengetragen. Hier findest du Auskünfte zum Verfahren, zu Formularen und weiterführende Links, die dich in deiner Recherche unterstützen.

Karrierechancen als Psychotherapeut:in in der Schweiz

Nach Abschluss der Ausbildung stehen dir verschiedene Wege offen:

Angestellt in Klinik oder Institution

  • Psychiatrien
  • psychosomatische Kliniken
  • Rehabilitationszentren

Selbstständige Praxis

  • eigene psychotherapeutische Praxis
  • Zusammenarbeit mit Krankenkassen
  • langfristiger Aufbau einer eigenen Klientel

Gehalt & Berufsperspektiven

Lohnt sich eine Psychotherapie-Ausbildung finanziell?

Das Einkommen hängt stark vom Arbeitsmodell ab:

  • Einstieg in Kliniken: moderates Festgehalt
  • mit Erfahrung: deutlich höhere Einkommen
  • selbstständige Praxis: sehr variabel, aber oft überdurchschnittlich

Der Beruf gilt als stabil und langfristig nachgefragt.

Alternativen zur Psychotherapie-Weiterbildung 

Wichtige Fachrichtungen im Überblick

Da das Berufsfeld der Psychologie sehr breit ist, sind deine Weiterbildungsmöglichkeiten keineswegs auf Psychotherapie beschränkt. Je nach Interessen und beruflichen Zielen kommen verschiedene Spezialisierungen infrage:

In dieser Übersicht haben wir eine grosse Auswahl an Weiterbildungsangeboten dieser vielfältigen psychologischen Berufsfelder für dich zusammengetragen. Hier findest du bestimmt die eine oder andere Weiterbildung, die deine Neugierde weckt.

Falls du dir noch unsicher bist, könnte es auch hilfreich sein, vorab ein Praktikum im psychotherapeutischen Bereich zu absolvieren. Praktikumsangebote findest du hier: PsyPRA

Was passiert, wenn du die Psychotherapie-Weiterbildung abbrichst?

Auch wenn du eine Weiterbildung in Psychotherapie begonnen und dich später für einen Abbruch entscheidest, eröffnen sich dir weiterhin zahlreiche berufliche Perspektiven. Die bisher erworbenen Kompetenzen – wie Gesprächsführung, Diagnostik oder das Verständnis für psychische Prozesse – sind in vielen anderen psychologischen Tätigkeitsfeldern wertvoll und gefragt. Ein Abbruch bedeutet daher keinen Karriereknick, sondern kann vielmehr eine Neuorientierung sein, die besser zu deinen Interessen und Zielen passt.  Je nach Ausbildungsinstitut kann auch ein späterer Wiedereinstieg möglich sein, wobei bereits absolvierte Module teilweise angerechnet werden. Es lohnt sich, dies individuell abzuklären. Alternativ eröffnen sich verschiedene berufliche Wege, beispielsweise in der Beratung, im Coaching oder in der Arbeits- und Organisationspsychologie. 

Ein Abbruch ist somit nicht immer problematisch für den Lebenslauf, solange du ihn nachvollziehbar begründen kannst und deine weiteren Karriereschritte klar sind.

Fazit: Das Wichtigste zur Psychotherapie-Ausbildung in der Schweiz

Wenn du Psychotherapeutin oder Psychotherapeut in der Schweiz werden möchtest, brauchst du ein abgeschlossenes Psychologiestudium und eine anerkannte Weiterbildung. Der Weg ist anspruchsvoll, aber sehr sinnstiftend und gesellschaftlich wertvoll. Du kennst jetzt:

  • die genauen Berufsbezeichnungen,
  • welche Institute eine Psychotherapieausbildung anbieten und was deren Voraussetzungen, Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten sind,
  • und wie du mit der Anerkennung von ausländischen Diplomen vorgehen kannst.

Auch wenn du dich gegen eine Psychotherapieweiterbildung entscheidest, hast du eine detaillierte Übersicht vieler anderer psychologischer Berufsfelder.